Grundgesetz endgültig entwertet – Hartz IV Studie macht Grundrechte zum überflüssigen Luxus
- Donnerstag, September 11, 2008, 14:37
- Politik
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(BSOZD.com-NEWS) Gütersloh. Stellungnahme zur Studie der TU Chemnitz zum ALG II Regelsatz:
TU Chemnitz erstellt Hartz IV Studie – und wir wundern uns über die Lage im Lande? : Die Herren Professoren Friedrich Thießen & Christian Fischer veröffentlichen eine Studie mit dem Titel “Die Höhe der sozialen Mindestsicherung – Eine Neuberechnung „bottom up“”. Die Veröffentlichung erfolgte in der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik (Lucius & Lucius, Stuttgart), Jg. 57 (2008), Heft 2 S. 145-173. Diese Studie löste Bundesweit Deutliche Reaktionen aus – so auch bei uns.
Diese Studie interessiert scheinbar Millionen Deutscher Bürger, also widmen wir Ihr auch ein paar kritische Blicke – und sind entsetzt.
Was vermittelt uns diese Studie, nachdem Sie das Mahlwerk der “grossen” Presse durchlaufen hat? Nun, der momentane Regelsatz (Zur Erinnerung: Regelsatz ist das Geld, von dem der ALG-II Empfänger einen Monat leben können muss, Wohnung und Heizung nicht enthalten, alles andere schon) beträgt aktuell 351,00 Euro für einen Alleinstehenden. Das könnte auch mit 132 Euro klappen – so erfährt es der Deutsche Bürger aus diversen Medien und Politikermündern. Die Originale Studie ist da schon vorsichtiger, gibt Sie doch immerhin einen Bereich an: “Ohne Wohnkosten betragen die Kosten der sozialen Mindestsicherung im Raum Chemnitz im Minimumfall 132 Euro und im Maximumfall 278 Euro.” (Zitat Studie, Seite 26, letzter Absatz). DAS liest sich doch schon ganz anders – im Maximumfall sollen also laut der Herren Professoren 278 Euro gebraucht werden. In Chemnitz.
Nur in Chemnitz? Aber natürlich NUR IN CHEMNITZ, denn woanders haben die beiden ja nicht geschaut: “Die Ermittlung der Preise wurde in der Stadt Chemnitz zwischen dem 11. und 15. Mai 2006 durchgeführt.” (Zitat Studie, Seite 15, erster Satz) Oh, gleich noch ein Problem sticht dadurch schmerzhaft ins Auge: NUR in Chemnitz, und das vor über zwei Jahren. Was haben die letzten Zwei Jahre doch gleich mit den Preisen gemacht? Richtig, deutlich angehoben. Mal mehr, mal weniger – aber wirklich billiger geworden ist aus der Sicht des Normalen Bürgers doch nicht wirklich was. Die Preisentwicklung wurde daher auch konsequent ausser Acht gelassen.
Aber das macht ja bei Professoren nie wirklich viel aus… Zwei Jahre Preisschraube, das merkt doch keiner? Tut mir leid, liebe Herren Professoren, die Betroffenen merken das sehr wohl. Jeden Tag. Und es tut echt weh. Jeden Tag.
Wie wirkt sich denn der Preisunterschied zwischen Chemnitz und dem Rest des Landes aus? Einfachstes Beispiel: Der Öffentliche Nahverkehr. Netterweise kann man das einfach vergleichen am Beispiel Düsseldorf. Am 09. September 2008 boten beide Verkehrsbetriebe auf den jeweiligen Internetseiten ein vergleichbares Ticket an: Gültig einen ganzen Monat, fahren rund um die Uhr in Bus und Strassenbahn/Tram im ganzen Stadtgebiet, das Ticket ist auch übertragbar. Monatliche Kosten in Chemnitz: 36,20 Euro. Monatliche Kosten in Düsseldorf: 53,17 Euro. Was, 16,97 Euro Unterschied? Da Verkehrskosten in der Studie berücksichtigt sind mit ~20 Euro kann man ja überlegen, ob der Umzug nach Chemnitz nicht vielleicht Sinn macht, man muss ja weniger Essen einsparen um unter anderem die Einladungen zu Gesprächen über die Berufliche Situation wahrnehmen zu können. Und offenbar ist das kein Einzelfall. So geht die Studie auch von folgendem aus: Nicht berücksichtigt werden müssen “Polstergarnitur, Schrankwand, Stehleuchte, Couchtisch, Beistelltisch, Fenstervorhang/Stores, Zimmerefeu. Besteck und Geschirr einfach. Alle diese Gegenstände werden von sozialen Einrichtungen kostenlos abgegeben.” (Zitat Studie, Seite 10, Tabellenfeld 05) Trotz intensiver Suche im Grossraum Düsseldorf konnte hier keine einzige Stelle gefunden werden, die die benannten Artikel kostenlos abgeben wollte (einzige Ausnahme: Wer dem Sperrmüll-Transport zuvorkommt wird üblicherweise nicht Strafrechtlich belangt) – das höchste der Gefühle war ein 20% – Rabatt auf aufgearbeitete Second Hand Waren. Ist leben in Chemnitz so deutlich günstiger? Offensichtlich. Zumindest scheint es das anno 2006 gewesen zu sein.
Nun wenden wir uns mal dem zu, um den es in der Studie geht: “Grundlage der Untersuchung ist ein gesundes, rational handelndes Individuum frei von Sucht- oder anderen Erkrankungen oder Behinderungen” (Zitat Studie, Seite 11). Ergänzend sei festgehalten: Die Studie geht davon aus, das Rauchen als Sucht abgeschafft wird bei Antragsstellung. Somit währe gleich eine ganze Industriesparte überflüssig geworden – wer mit dem Rauchen aufhören will braucht nur ALG-II beantragen, Nikotinpflaster und andere Entwöhnungshilfen werden nicht mehr gebraucht. Danke, TU Chemnitz! Davon abgesehen, ein “Gesundes Individuum” meint im Sinne der Studie ganz eindeutig NUR den Erwachsenen, Männlichen, Alleinstehenden ALG-II Empfänger ohne Familie und Mitbewohner. Dieser Musterbürger ist nicht Medien- aber dafür Realitäts-Konform, da Arbeitswilligkeit vorausgesetzt wird. Familien werden gar nicht berücksichtigt.
Für die weniger gut informierten Leser, die Ihre Informationen zum Sozialgesetz von Bundeskanzlerin Merkel oder der Bild-Zeitung erhalten: NUR der Alleinstehende ALG-II Empfänger bekommt den Regelsatz in voller Höhe. Sobald eine Bedarfsgemeinschaft ins Spiel kommt wird reduziert! Eine ebenfalls ALG-II empfangende Frau im Hause z.B. sorgt dafür das die beiden nicht mehr jeder 351 Euro erhalten, sondern jeder nur 316 Euro. 90% statt dem vollen Betrag, nur weil jemand dabei ist. Was macht das aus den Zahlen der Studie? Der Untere Grenzwert von 132 Euro wird zu 118,80 Euro, der Obere Grenzwert von 278 Euro zu 250,20 Euro. Und Kinder bis 14 Jahre kriegen sogar noch weniger, 60%. Macht also bei der Studie sagenhafte 79,20 Euro (soviel habe ich letzten Monat allein für die Schulbücher des 11-Jährigen ausgegeben) bzw. 166,80 Euro beim höheren Satz. Zum Vergleich: 118,80 Euro (Jeder will ja nur den kleinsten Wert haben) sollen für einen Erwachsenen Menschen zum Leben in Gesundheit und Würde genügen – Die Haltung eines Schäferhundes im Tierheim kostet durchschnittlich nur 90 Euro, ein Pferd im Stall kostet schon 200 Euro (Beide Zahlen wuden nicht repräsentativ durch Telefonische Umfrage bei 5 entsprechenden Einrichtungen in NRW ermittelt). Und wenn mein Grossvater sich nicht geirrt hat kostete die Unterbringung eines Kriegsgefangenen damals 2 Mark am Tag, also bei 30 tagen 60 Mark… Leider lässt sich dieser Satz nicht vernünftig auf heutige Zahlen und Währungen umrechnen, aber die Ähnlichkeit der Zahlen sorgt bei Freiheitsliebenden, an Demokratie und Menschenrechte glaubenden Bürgern doch für Angstattacken, oder?
Aber wir wollten uns ja eigentlich weiter mit der Studie befassen – allerdings sollte bereits jetzt schon klar sein, das es eigentlich keinen Sinn macht. Die Studie ist so eingeschränkt in Sichtweise und zugrundeliegendem Datenmaterial, das jedes weitere Wort darüber eine Verschwendung währe. Ich sehe es als erwiesen an, das die Studie einen amüsanten Blick in die Chemnitzer Vergangenheit erlaubt, aber mit der heutigen Realität nicht einmal im Statistischen Bundesdurchschnitt konform läuft – Meine Herren Professoren: Setzen, Sechs. Aber ein Fleiss-Sternchen gibt es, denn die Studie ist teilweise erschreckend ehrlich, zum Beispiel auf Seite 8: “Die vagen Formulierungen in den Gesetzen lassen es nicht zu, eine eindeutige Entscheidung hinsichtlich der Art und Menge von Gütern zu treffen, die in der sozialen Mindestsicherung enthalten sein sollten.”
Pressekontakt
Bund Soziales Zentrum Deutschland e.V.
Peter Ritsche
Im Wieksfeld 11, 33378 Rheda-Wiedenbrück
Tel.: +49(0 52 42) 940157
Fax: +49(0 52 42) 940158
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Photo Quelle/Copyright: geralt, via pixelio.de
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4 Comments on “Grundgesetz endgültig entwertet – Hartz IV Studie macht Grundrechte zum überflüssigen Luxus”
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Wenn man dies alles liest was sogenannte Forscher in diesem Land alles veröffenlichen dann kann sich große Sorgen über den Zustand dieses Landes machen.
Denn einfach zu behaupten, dass 132,00 Euro pro Monat zum Leben reichen ist ein-
fach eine Beleidigung der Menschen die von Hartz IV betroffen.
Aber das ganze hat ja auch Methode. Denn wenn man über darüber redet und
gegen diese Menschen hetzt, dann zeigt das irgendwann Wirkung.
Und das ist natürlich von diese revanchistischen Kräften beabsichtigt.
Denn man will die Bevölkerung gegeneinander ausspielen.
Nein, wir dürfen uns von diesen Herrschaften aus Chemnitz nicht verblenden lassen.
Und es wäre gut, wenn wieder Montagsdemonstrationen stattfinden würden.
Denn die Veränderung in der SPD geht ja auch zum Guten aus. Im Gegenteil die
Agenda Befürworter haben dort wieder die Mehrheit und das Pflänzchen Hoffnung,
dass sich die SPD zu einer linken Volkspartei verändern würde ist je zerstört worden.
Nein, dieses Hartz IV Gesetz gehört ganz abgeschafft. Denn es hat ganze Teile der
Bevölkerung in die Armut gestürtzt. Und ein Ende, dieser Entwicklung, ist leider nicht abzusehen. Denn auch die Reallöhne in diesem Land sinken ja immer weiter ab und die Preise wie z. B. Lebensmittel steigen rasant an.
Also liebe Leute regt euch endlich. Geht gegen diesen Sozialabbau in Deutschland
auf die Straße. Wie gesagt es sollten endlich wieder die Montagsdemonstrationen
stattfinden. Denn wir sind das Volk.
Die Studie (ich habe sie aufmerksam gelesen und auch ein Antwortschreiben an die Herren verfasst) wirft bei mir die Frage auf, ob der Titel “Professor” ein eingetragenes Markenzeichen ist, das nur Damen und Herren tragen dürfen, deren Hirn durch einen Computerchip ersetzt wurde, auf dem nur ein einziges Programm in immer neue Worte gefasst abläuft?
Erfahrungen aus der Vergangenheit weisen nicht nur auf die Parallelen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auf, sondern zeigen auch, dass auf Kampagnen dieser Art in der Regel eine staatliche Reaktion erfolgte, nicht etwa zum Schutze der Angegriffenen, sondern immer im Sinne der Hetzenden.
Wer die Studie gelesen hat, hat u. U. gemerkt, dass die Herren in Chemnitz offenbar die Bezieher von Regelsätzen zu gesundheitsbewussten Rohkostlern und Sahara-tauglichen Menschen erziehen soll, denn so vernachlässigbare Parameter wie Kosten für Strom und Wasser wurden den nicht spezifizierten Wohnkosten zugeschlagen, in denen diese Kosten allerdings auch nicht enthalten sind. Die zugestandenen Fleischportionen sollen vermutlich über offenem Feuer auf dem Fußboden der Wohnhöhle gegrillt werden, es sei denn, die Herren Herren in Chemnitz vertraten die Meinung, dass die Menschheit schließlich vor ca. 100.000 Jahren Fleisch auch roh verzehrt habe.
Allerdings sollte man sich erinnern, dass zum Beweis einer Theorie in seriöser Wissenschaft ein Feldversuch gehört, der dem Gedankenspiel der Theorie die nötige Beweiskraft verleiht. Man sollte die Herren aus diesem Grunde auffordern, ihre Theorie durch einen Feldversuch zu beweisen, auf der Basis einer EVS-Periode.
Leider ist es mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren, diese Herren dazu zu bringen einmal ein halbes Jahr oder länger mit 132€ (von mir aus auch den in der Studie erwähnten 278€) in der Tasche in einer Miniwohnung leben zu lassen, ohne Unterstützung, ohne Zuwendung, ohne Hilfe usw. – kurz: in exakt der Situation, die Sie in der “Studie” als aktzeptabel festlegen.
Dem gesunden Menschenverstand verbietet sich ja von selbst, die beiden zusätzlich noch dem Arge-Terror auszusetzen, da ja die Psychologische Seite des ganzen noch nirgendwo berücksichtigt werden konnte und demzufolge einen unbekannten Risikofaktor darstellt.
Da nicht zu gewährleisten ist, das die Herren ein solches Experiment wenigstens ohne Folgeschäden überleben würden kann man leider nur noch hoffen, das solche Studien endlich von der Bildfläche verschwinden.
….. Kein Fluchtweg, kein Entkommen. Gleichgültig worin man auch liest, ganz egal wohin man seine Ohren spitzt, einerlei welchen Fernsehsender man auswählt: das Reformeswerk eines Vorbestraften dominiert das Tagesgeschehen. An jeder Front wird über Regelsätze, vor allem über deren üppige Auszahlung diskutiert; werden die Betrügereien und ausgeklügelten Listigkeiten der Bedürftigen ausgeschlachtet, um dann moralisch vermetzgert zu werden …weiterlesen